Diabetes kann die feinen Blutgefäße der Netzhaut schädigen, lange bevor sich das Sehen verändert. Regelmäßige Augenuntersuchungen sind deshalb keine Kontrolle nur für Menschen mit Beschwerden, sondern ein wichtiger Teil der Diabetesvorsorge.
Auf einen Blick
- Bei Typ-2-Diabetes sollte der Augenhintergrund zeitnah nach der Diagnose untersucht werden.
- Ohne Netzhautveränderung kann bei niedrigem Risiko ein zweijährlicher Abstand genügen; sonst wird meist jährlich kontrolliert.
- Bei bereits vorhandenen Veränderungen legt die Augenärztin oder der Augenarzt kürzere Intervalle fest.
- Ein rotes Auge ist kein typisches Frühzeichen einer diabetischen Retinopathie und braucht eine eigene Einordnung.
Warum kann Diabetes die Augen schädigen?
Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte können kleine Blutgefäße schädigen. An der Netzhaut können Gefäße undicht werden, kleine Blutungen entstehen oder neue, instabile Gefäße wachsen. Betrifft die Veränderung den Bereich des schärfsten Sehens, die Makula, kann sich dort Flüssigkeit einlagern. [1][2]
Das Tückische: Frühe Netzhautveränderungen verursachen oft keine Beschwerden. Wer gut sieht, kann trotzdem bereits behandlungsbedürftige Veränderungen haben. Die Untersuchung soll Schäden erkennen, bevor dauerhaft Sehkraft verloren geht. [1][2]
Wie oft sollten die Augen kontrolliert werden?
Für Menschen mit Typ-2-Diabetes wird eine erste augenärztliche Untersuchung bei Diagnosestellung empfohlen. Bei Typ-1-Diabetes beginnt das Screening ab dem 11. Lebensjahr oder spätestens fünf Jahre nach der Diagnose. Der persönliche Termin kann je nach Alter, Schwangerschaft und Krankheitsverlauf davon abweichen. [1][3][4]
Sind keine Netzhautveränderungen bekannt und bestehen weder allgemeine noch augenärztliche Risikofaktoren, sieht die Nationale VersorgungsLeitlinie ein zweijährliches Intervall vor. Bei erhöhtem Risiko – etwa längerer Diabetesdauer, ungünstiger Stoffwechseleinstellung, Bluthochdruck, Nierenschädigung oder Rauchen – wird in der Regel jährlich untersucht. [1][3][4]
- Keine Retinopathie und niedriges Risiko: häufig alle 2 Jahre
- Keine Retinopathie, aber zusätzliche Risiken: in der Regel jährlich
- Bekannte Netzhautveränderungen: jährlich oder deutlich häufiger
- Schwangerschaft, rasche Stoffwechseländerung oder schwere Hypertonie: individuell engmaschiger
Wie läuft die Augenuntersuchung ab?
Besprochen werden Diabetesdauer, aktuelle Einstellung, Blutdruck, Nierenerkrankungen, Medikamente und Sehbeschwerden. Meist folgen Sehschärfenprüfung, Spaltlampenuntersuchung und die Beurteilung des Augenhintergrunds. [2][3]
Für einen guten Blick auf Netzhaut und Makula werden die Pupillen häufig mit Tropfen erweitert. Danach können Blendung und unscharfes Nahsehen mehrere Stunden anhalten; in dieser Zeit dürfen Sie nicht selbst Auto fahren. Bei Auffälligkeiten können zusätzliche Verfahren wie OCT, Fundusfotografie oder Fluoreszenzangiografie erforderlich sein. Sie gehören nicht automatisch zu jeder Basiskontrolle. [3][4]
Gehört ein rotes Auge zu Diabetes?
Die diabetische Retinopathie betrifft die Netzhaut im Augeninneren. Ein äußerlich rotes Auge ist deshalb kein typisches Frühzeichen dieser Erkrankung. Rötung kann zum Beispiel durch trockene Augen, eine Lidrandentzündung, Allergie, Bindehautentzündung oder eine Hornhautreizung entstehen.
Menschen mit Diabetes können zusätzlich häufiger Probleme an Lidern und Augenoberfläche entwickeln. Trotzdem sollte eine Rötung nicht automatisch dem Diabetes zugeschrieben werden. Ursache und Dringlichkeit müssen anhand der Begleitbeschwerden beurteilt werden. [2]
Was können Menschen mit Diabetes selbst tun?
Regelmäßige Kontrollen ersetzen nicht die gute Behandlung des Diabetes – und eine gute Blutzuckereinstellung ersetzt nicht die Augenuntersuchung. Beides gehört zusammen. Individuelle Zielwerte sollten mit dem behandelnden Diabetes-Team vereinbart werden. [1][2]
- Blutzucker, Blutdruck und Blutfette nach dem persönlichen Behandlungsplan einstellen lassen
- Nicht rauchen beziehungsweise Unterstützung beim Rauchstopp nutzen
- Augentermine auch ohne Sehbeschwerden wahrnehmen
- Bei rascher Änderung der Diabetestherapie oder Schwangerschaft die Augenintervalle besprechen
- Neue Sehbeschwerden nicht bis zur nächsten Routinekontrolle aufschieben
Welche Sehzeichen sind dringend?
Verschwommenes oder verzerrtes Sehen, dunkle Flecken und nachlassende Lesefähigkeit können auf fortgeschrittene Veränderungen hinweisen. Plötzlich viele schwarze Punkte, Rußregen, Lichtblitze, ein dunkler Vorhang oder ein starker Sehverlust sind mögliche Warnzeichen einer Blutung oder Netzhautablösung. [2][3][4]
Häufige Fragen
Kurz beantwortet.
01Reicht eine Kontrolle beim Optiker?+
Nein. Eine Sehschärfenmessung allein zeigt frühe Netzhautveränderungen nicht zuverlässig. Erforderlich ist eine medizinische Beurteilung des Augenhintergrunds.
02Muss jedes Jahr untersucht werden?+
Nicht immer. Ohne Netzhautveränderung und bei niedrigem Risiko kann ein zweijährliches Intervall ausreichen. Bei zusätzlichen Risiken wird meist jährlich, bei bestehender Retinopathie häufiger kontrolliert.
03Warum werden die Pupillen erweitert?+
Durch die größere Pupille lassen sich Netzhaut und Makula besser überblicken. Danach sind Blendung und unscharfes Nahsehen möglich; deshalb sollten Sie nicht selbst fahren.
04Kann ich Netzhautschäden selbst bemerken?+
Frühe Veränderungen oft nicht. Spätere Zeichen können verschwommenes oder verzerrtes Sehen, dunkle Flecken oder Rußregen sein. Kontrollen sind deshalb auch ohne Beschwerden wichtig.
05Ist ein rotes Auge ein Zeichen für diabetische Retinopathie?+
Typischerweise nicht. Ein rotes Auge betrifft meist Lider, Bindehaut, Hornhaut oder Augenoberfläche und sollte nach Beschwerden und Dringlichkeit separat untersucht werden.
06Was soll ich zum Termin mitbringen?+
Hilfreich sind Medikamentenliste, vorhandene Augenbefunde, Brille und – soweit bekannt – aktuelle Angaben zu HbA1c, Blutdruck, Diabetesdauer und Nierenerkrankungen.
Quellen
- 01Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes – Kapitel DiagnostikÄZQ / Leitlinien.de ↗
- 02Diabetische Retinopathie: Wie sich Diabetes auf die Augen auswirktdiabinfo.de ↗
- 03S3-Leitlinie: Netzhautkomplikationen bei DiabetesDOG, BVA, DDG und AWMF ↗
- 04Praxisempfehlung: Diabetische Retinopathie und MakulopathieDeutsche Diabetes Gesellschaft ↗